Künstliche Intelligenz (KI) ist heute fester Bestandteil der täglichen Diskussionen in Wirtschaft, Verwaltung, Bildung, Medien und der Cybersicherheit. Sicherheitsteams setzen die neue Technologie zunehmend ein, um Bedrohungen zu erkennen, digitale Assets zu überwachen und auf komplexe Angriffsmuster zu reagieren. Gleichzeitig setzen Bedrohungsakteure KI ein, um Phishing-, Identitätsbetrugs- und domänenbasierte Angriffe in großem Maßstab durchzuführen.
Damit steht KI für CISOs heute auf beiden Seiten der Cybersicherheitsgleichung. Einerseits treibt sie Lösungen voran, die Geschwindigkeit, Transparenz und Mustererkennung verbessern können. Andererseits erhöht sie das Ausmaß und die Komplexität bestimmter Cyberbedrohungen. Das Ergebnis ist eine zunehmend komplexe Sicherheitslandschaft, in der sich die Einführung von KI, ihre Governance sowie das Risikomanagement parallel weiterentwickeln.
Führungskräfte im Bereich Cybersicherheit sehen KI als Chance
Laut unserer im Bericht The CISO Outlook 2026 vorgestellten Studie betrachten viele Führungskräfte im Bereich Cybersicherheit KI als positive Entwicklung. Tatsächlich geben 73 % der Befragten an, dass KI für die Cybersicherheit eher eine Chance als ein Risiko darstellt. Weitere 10 % bezeichnen KI als eine „eindeutige und bedeutende Chance“, während 16 % sie gleichermaßen als Chance und Risiko bewerten.
Es ist deutlich erkennbar, dass KI in der praktischen Cybersicherheit angekommen ist. Sicherheitsteams nutzen KI inzwischen zur Unterstützung von Monitoring, der Durchsetzung von Sicherheitsrichtlinien, der Bedrohungserkennung sowie der Betrugsprävention. Dem Bericht zufolge setzen 57 % der Befragten KI-basierte Lösungen für Monitoring und die Durchsetzung von Sicherheitsrichtlinien ein – gegenüber 50 % im Vorjahr. 44 % nutzen KI-basierte Lösungen zur Bedrohungserkennung und Betrugsprävention – ein Anstieg gegenüber 36 % im Vorjahr.
Dieser Anstieg spiegelt den wachsenden Bedarf an Lösungen wider, die große Mengen an Signalen aus Domains, Netzwerken, Endpunkten und digitalen Kanälen analysieren können. Mit der zunehmenden Ausweitung der Angriffsflächen kann KI dabei helfen, Muster zu erkennen, die sich in großem Maßstab ansonsten nur schwer identifizieren lassen.
KI-gestützte Automatisierung in der Cybersicherheit erfordert Governance
Die Automatisierung ist einer der wichtigsten Bereiche, in denen KI zu Cybersicherheitsprozessen beiträgt. Im Zusammenhang mit Angriffen auf das Domain Name System (DNS) und ähnlichen Bedrohungen geben nahezu drei Viertel (72 %) der Befragten an, dass KI-gestützte Automatisierung eine schützende Rolle spielt. Gleichzeitig zeigt dieselbe Erkenntnis, dass diese Automatisierung eine angemessene Aufsicht beziehungsweise ein sorgfältiges Management erfordert.
Zwar kann KI eine schnellere Erkennung und Reaktion auf Bedrohungen unterstützen; Führungskräfte sollten Automatisierung jedoch nicht als Ersatz für Governance oder menschliches Urteilsvermögen betrachten. Stattdessen scheint KI-gestützte Automatisierung ihren größten Nutzen zu entfalten, wenn sie mit klar definierten Kontrollmechanismen, kontinuierlichem Monitoring und regelmäßigen Überprüfungen kombiniert wird.
KI-gestützte Cyberangriffe in großem Maßstab
Cyberkriminelle nutzen KI-basierte Verfahren zunehmend für unterschiedlichste Arten von Cyberangriffen, darunter Phishing, Deepfakes, gezielte Angriffe auf Endpunkte sowie die automatisierte Generierung von Domains.
Besonders besorgniserregend sind KI-gestützte Domain Generation Algorithms (DGAs). 86 % der Befragten geben an, dass DGAs eine Bedrohung für Unternehmen darstellen. Sie können große Mengen an Domains generieren, die legitim erscheinen und sich für Phishing-Kampagnen oder andere böswillige Aktivitäten einsetzen lassen. In großem Maßstab erschwert dies die Erkennung und erhöht die Zahl verdächtiger Domains, die von Sicherheitsteams überwacht werden müssen.
Auch Identitätsbetrug entwickelt sich zu einem wachsenden Problem: KI hilft böswilligen Akteuren, ihre Angriffe zu skalieren, indem sie deren Anzahl, Glaubwürdigkeit und Personalisierungsgrad erhöht. Die Befragten sehen Identitätsbetrug und Rufschädigung in sozialen Medien als die größten Cyberbedrohungen, die sie in den kommenden drei Jahren erwarten. Die Nachahmung von Mitarbeitenden und Führungskräften – einschließlich Deepfakes – wurde als fünftgrößter Risikobereich eingestuft. Insgesamt zeigen diese Ergebnisse, dass KI nicht nur technische Angriffsmethoden verändert, sondern auch identitätsbezogene und markenbezogene Risiken weiter verschärft.
KI-Systeme von Drittanbietern verschärfen Bedenken hinsichtlich der Datensicherheit
Eine der größten Sorgen, die in unserer Studie geäußert wurden, betrifft KI-Systeme von Drittanbietern. Tatsächlich sind 98 % der Befragten besorgt darüber, dass KI-basierte Systeme und Lösungen von Drittanbietern Zugriff auf Unternehmensdaten erhalten. Innerhalb dieser Gruppe geben 41 % an, „sehr besorgt“ zu sein, während 57 % angeben, „eher besorgt“ zu sein.
Dieses hohe Maß an Besorgnis spiegelt die Fragen zur Datensicherheit wider, die der Einsatz externer KI-Tools – darunter Large Language Models (LLMs) und andere KI-basierte Plattformen – aufwirft. Das Problem beschränkt sich jedoch nicht auf interne Nutzer und Nutzerinnen. Auch Lieferanten und Geschäftspartner setzen zunehmend KI-Tools ein. Dadurch entstehen für Unternehmen zusätzliche Herausforderungen im Hinblick auf Transparenz und Governance.
79 % der Befragten unseres Berichts sind besorgt, dass die zunehmende Nutzung von KI-Tools durch Lieferanten und Geschäftspartner ein Cybersicherheitsrisiko für ihre Organisation darstellt. Gleichzeitig sind Risikokontrollen entlang der Lieferkette weiterhin uneinheitlich umgesetzt. 70 % der Befragten geben an, dass ihr Unternehmen Risikokontrollen nur an wichtige Lieferanten weitergibt. 14 % beziehen lediglich sehr wenige Lieferanten ein, während 15 % die Risikokontrollen ihres Unternehmens auf sämtliche Lieferanten anwenden.
KI-Risikomanagement ist ein Governance-Problem
Der Bericht ordnet KI-Risiken in einen umfassenderen Governance- und Compliance-Kontext ein. Mit der zunehmenden Nutzung der neuen Technologie gewinnen regulatorische Vorgaben und Leitlinien für KI an Bedeutung. Dazu gehören unter anderem der AI Act der Europäischen Union (EU), das NIST AI Risk Management Framework sowie die OECD AI Principles.
Für CISOs bedeutet dies eine zusätzliche Dimension ihrer bestehenden Verpflichtungen im Bereich der Cybersicherheit. KI-Governance überschneidet sich heute mit Datenschutz, dem Management von Drittparteienrisiken, der Steuerung von Lieferantenrisiken, Identitätsmanagement und dem Incident Response Management. 72 % der Befragten geben an, dass das Ausmaß der Cybersicherheitsbedrohungen, denen ihre Organisation im Jahr 2025 ausgesetzt war, „kritisch“ oder „sehr kritisch“ war. Dies verdeutlicht, dass sich KI-Risiken in einem ohnehin bereits anspruchsvollen Bedrohungsumfeld entwickeln.
KI in der Cybersicherheit ist Chance und Risiko zugleich
Als Verteidigungstechnologie unterstützt KI das Monitoring, die Durchsetzung von Sicherheitsrichtlinien, die Bedrohungserkennung, die Betrugsprävention und eine schnellere Mustererkennung. Gleichzeitig ermöglicht KI Phishing im großen Maßstab, die automatisierte Generierung von Domains, Deepfakes, Identitätsbetrug sowie zunehmend komplexe Social-Engineering-Angriffe.
Für Führungskräfte im Bereich Cybersicherheit besteht die zentrale Herausforderung darin, die richtige Balance zu finden. Die Nutzung von KI nimmt weiter zu – gleichzeitig wachsen jedoch auch die Bedenken hinsichtlich Governance, des Zugriffs durch Drittanbieter und KI-gestützter Angriffsmethoden. Weitere Informationen zu KI-gestützten Cyberrisiken und den Strategien, mit denen CISOs darauf reagieren, finden Sie im vollständigen Bericht CISO Outlook 2026, den Sie hier lesen und herunterladen können.
